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"Das Busticket kauft man in Pittsburgh, wenn man aussteigt, nicht wenn man einsteigt. Aber das ist anders, wenn man aus der Stadt hinausfährt, da bezahlt man, wenn man einsteigt. Aber während der rush hour ändert sich das manchmal..."

 

2008-11-15_usa_austausch_gruppe

...Man kann auch eine Servicenummer anrufen, um den Busfahrplan zu erfragen, denn im Internet gibt´s den nicht. Aber man braucht noch extra eine Access-Nummer. Ich weiß nicht, wo man die bekommt.“ Verwirrung pur – so ging das nur, möchte man sagen, denn die armen norddeutschen Schülerseelen, die in so schön typisch deutscher Weise auf alle nur denkbaren Vorkommnisse und Eigenheiten haarklein vorbereitet worden waren, sahen sich mit einer der größten kulturellen Errungenschaften der Amerikaner konfrontiert: der Flexibilität. Auch machte es praktisch nie etwas, wenn man in eine Schwierigkeit geriet: Es gab immer jemanden, der einem völlig entspannt half, der geradezu darauf wartete, einem problemorientierten Deutschen den Tag zu verschönern, und niemand wäre, wie in Deutschland gelegentlich, auf die Idee gekommen, eine Serviceleistung zu verweigern oder gar eine hilfesuchende Person hängen zu lassen. Take it easy, man. This is Friday, and there is no stress on a Friday.

Der gefürchtete Serviererinnen-Spruch „Draußen gibt´s nur Kännchen“ – undenkbar.

Aber es dauerte einige Zeit, bis man einerseits offen und aufnahmefähig war für die unendliche Flut von Neuerungen, wach für die kleinen Zwischentöne (wie z.B. „Why don´t you...?“, bei deren Überhören man sich als teutonisches Trampeltier zu erkennen gab) und trotzdem locker und cool, weil ja alles seine eigene Zeit hatte und Hektik praktisch unbekannt war. Und wenn doch, dann war das geradezu ... lustig.

Ein jeder mag seine eigene Rechnung aufgemacht haben, was wir von unseren Gastgebern lernen konnten oder sie von uns, unter dem Strich blieb fast schon so etwas wie Heimweh nach Sewickley, weil die Gastgeber uns stoisch durch das Chaos nordamerikanischer Desorganisiertheit und Zeitbegrifflichkeit zogen, immer gut gelaunt waren und ein so großes Herz hatten, dass man einfach nur schwach werden konnte.

Niagara Falls, Pittsburgh, das „Amish Country“ um Berlin / Ohio, Washington und schließlich Chicago. Wir haben das Land der Kontraste kennen gelernt, der Kontraste aus groß und klein, arm und reich, kompliziert und einfach, das – oh Wunder – eine dramatischen Wandel zum Land der Guten Küche erfahren hat (großes Lob! – aber das glaubt uns hier sowieso kein Mensch) und das auch endlich wieder öffentlich oder privat eine politische Diskussion betreibt, die sich (hoffentlich) nicht nur in Floskeln erschöpft.

Acht Jahre Bush haben nicht nur in der Politik ihre Spuren hinterlassen; es war auch über die Jahre schwer geworden, genügend Austausch-Mitglieder anzuwerben. Man darf vorsichtig vermuten, dass sich dies nun ändern dürfte. Auch wird durch die Einrichtung neuer „German-Classes“ in Sewickley durch unsere unermüdliche Kollegin Amy Karst künftig eine größere Menge interessierter Schüler heranwachsen, die endlich auch einmal wieder einen wirklichen Austausch und nicht nur, wie jetzt, eine Reise ermöglichen. Zu hoffen wäre es, denn – die großen Wahrheiten sind immer schlicht: Es war schön. Es war lehrreich. Es war unvergesslich.

Ich persönlich finde bei aller Sympathie immer noch die Rückkehr nach Deutschland am interessantesten: die hiesigen Zollbeamten, der Zigarettengestank im Flughafen (!), sättigende Brotsorten, die kleinen Autos, das niedliche Fuhlsbüttel, das kleine Hamburg, die hektische norddeutsche Betuligkeit, so ganz ohne das dauernde, gefühlte „Hi, how´re you doing? / Have a good day und heute ganz besonders und dann noch eine schöne Welt und Du bist toll, und ich helfe Dir, wo ich kann and I´ll be RIGHT back!“ Und die relative Stille in Deutschland mit ihrer überraschenden Maulfaulheit, im Vergleich. Die plötzliche Sehnsucht nach selbstverständlich höflichen, gut erzogenen, netten Jugendlichen überall, die merken, wenn sie ihrer Umgebung auf den Wecker fallen würden und es nie soweit kommen lassen. (Ja, stimmt, die HPS besitzt solche Menschen auch in Hülle und Fülle...). Und unsere schulische Betriebsamkeit, die zwar vielfach unerhört effizient sein kann, aber von den riesigen Differenzierungsmöglichkeiten einer High School auch in den nächsten zwanzig Jahren nur träumen kann.

In zwei Jahren ist es voraussichtlich wieder so weit. Denkt mal darüber nach.

Unsere Gruppe jedenfalls war spitzenklasse. Am liebsten alles noch einmal! Wie wäre es mit einer AG Weltreise? Mit dieser Gruppe? Sofort!

GRU