Sklaverei - ja und? Ist doch tausende Kilometer von uns entfernt. Was soll ich denn da machen? Das geht mich doch nichts an!

Helfried und Renate Weyer, weltweit erfolgreiche Vortragskünstler, überzeugten uns vom Gegenteil. Sie schilderten dem UNESCO-Kurs auf eindrucksvolle Weise, dass es bereits bei uns anfängt. Kann man eventuell doch etwas tun?
„Das Schlimmste ist im Moment die Ratlosigkeit der Welt", bringt Helfried Weyer mit bedauerndem Tonfall zum Ausdruck.
Der Vortrag begann mit einer Vorstellung, in der uns Renate und Helfried Weyer von ihrer besonderen Geschichte erzählten. Schon früher reisten sie in verschiedene Kontinente der Welt. Vor allem nach Asien, in das Land Nepal, wo sie die Sklaverei hautnah erlebten.

Auch viele der erschreckenden Bilder stammten aus Ländern wie Nepal. Es war keine Seltenheit, dass man sich fragte, wie Menschen Mitmenschen so kaltherzig behandeln und für sich arbeiten lassen können und dabei die Menschenwürde verletzen.
Ich denke, in diesem Punkt kann ich für den kompletten UNESCO-Kurs sprechen.

Es wirkte, als hätte eine Geschichte die meisten Schüler/-innen besonders berührt. Auf dem zugehörigen Bild war eine Frau mit einem in kleine Decken eingewickelten Baby zu sehen. Sie lebten auf kleinstem Raum in einer Wellblechhütte. Die behelfsmäßige Küche stand in der Mitte des Raumes, das Bett links. Als Helfried Weyer uns von dem Angebot der Mutter an seine Frau und ihn berichtete, war wahrscheinlich jeder erst einmal geschockt. Die Mutter wollte eine Zukunft für ihr Kind! Es nicht verhungern lassen! Es vielleicht in die Schule schicken. So bat sie das Ehepaar darum, ihr junges Kind mit nach Deutschland zu nehmen. Sie kämpfte nicht um ihr Überleben, sondern um das ihres Kindes. Letztendlich unterstützte das Ehepaar Weyer die Familie nach einem Gespräch mit der Mutter mit finanziellen Mitteln. Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, wenn sie ihr eigenes Kind in fremde Hände gibt?

Aber auch Bilder von Steine schleppenden oder im Straßenbau tätigen Kindern ließen viele von uns schlucken. Helfried Weyer erzählte, dass man zwischen Kindern unterscheiden müsse, die in der Familie arbeiten und denen, die in Fabriken täglich 13 Stunden am Webstuhl sitzen und für eine kleine Menge Essen schuften müssen. Es handelt sich nicht um Kinder mit einer abgeschlossenen Schulausbildung, es handelt sich auch um Kleinkinder, die oft schon als Baby an diese Arbeiten herangeführt werden. Man entzieht diesen Kindern jegliche Zukunftsperspektiven. Zum Träumen bleibt ohnehin keine Zeit.

Nachdem Ehepaar Weyer ihre interessanten Erfahrungsberichte beendet hatten, las uns Helfried Weyer aus dem Buch "Stadt der Verlorenen: Leben im größten Flüchtlingslager der Welt" von Ben Rawlence (24,90€, Verlag Nagel & Kimche AG, 14. März 2016) vor. Das Buch erzählt Geschichten von Sklaven, die von sich und ihrer Vergangenheit berichten. Er hatte eine Geschichte eines Jungen in einem Flüchtlingslager ausgewählt. Es sind wahre Erzählungen.
Aber könnt ihr euch vorstellen, dass maskierte und bewaffnete Männer in eurem Klassenraum auftauchen, einige Jungen auswählen und diese mitnehmen? Der Junge, von dem die Geschichte handelt, war einer von ihnen. Er wurde in ein Lager einer Terrorgruppe gebracht und dort ausgebildet. Er musste nicht länger einen Vokabeltest in der nächsten Englischstunde befürchten. Nein, er musste mit der ständigen Angst leben, dass in der nächsten Minute der Befehl zum Töten gegeben würde. Ihm gelang nach einem Monat die Flucht. Nun lebt er nur mit dem, was er in einem Flüchtlingslager bekommt. Und wieder einmal fehlt die Zukunftsperspektive.

Nach diesen Erzählungen war uns klar: Jeder muss etwas tun! Das kann man nicht alleine bewältigen. Aber viele Menschen zusammen können etwas bewegen! Dabei geht es nicht nur darum, Geld an Organisationen zu spenden, sondern auch um die Verteilung des Reichtums auf der Erde. Fair-Trade-Produkte sind zu empfehlen, da hier die Arbeiter angemessen bezahlt werden und unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wird. Ansonsten bleibt für den Produzenten von dem endgültigen Preis des Produktes meist nur ein sehr geringer Bruchteil über.

Es ist ein langwieriger Prozess, der nicht von Heute auf Morgen von statten gehen kann. Wir müssen alle helfen und auch kleine Dinge beachten! Es gibt schon jetzt Fehler, die wir nicht mehr ausbessern können. Umso wichtiger, dass wir jetzt keine mehr machen!
Denn: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern."

Svewa Rehder

Weyer 1

Foto: Ehepaar Weyer mit dem WPK-UNESCO

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